Kirche zwischen Opportunismus und Opposition

Zur Diskussion nach dem Opfertod von Oskar Brüsewitz 1

Diese Überschrift hatte die im Oktober 1976 im Samisdat der DDR erschienene Dokumentation einer Naumburger Menschenrechtsgruppe über die Gründe und Konsequenzen der Selbstverbrennung von Pfarrer Brüsewitz am 18. August desselben Jahres. Die damit schon nach kürzester Zeit vorgenommene Bewertung des Zustandes der Evangelischen Kirche und des Charakters der Protestaktion von Zeitz hält der historischen Kritik bis heute stand: Die Christenheit drohte sich im Opportunismus gegenüber der sozialistischen Staatsmacht einzurichten, deshalb kam für einen aufrechten Streiter gegen Unterdrückung und Verderben das letzte Mittel in Betracht, das Selbstopfer.

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„…kein Grund zur Panik“ ?

Der Mauerbau vom 13. August 1961 und seine Folgen aus regionaler Sicht

Nachfolgend sollen unter Berücksichtigung der aktuellen Forschungsliteratur zur DDR – Geschichte einige Aspekte zum Mauerbau aus regionaler Sicht dargestellt werden, die belegen, dass für den Bau der Mauer und für die sich daraus ergebenden Folgen bis 1989 nicht ausschließlich die SED – Führung verantwortlich ist.

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Die Geschichte qualmt noch

Am 4. Dezember wurde in der Konrad – Adenauer – Stiftung das „Lexikon Opposition und Widerstand in der SED Diktatur“ vorgestellt.

Ein Lexikon fängt mit dem Buchstaben „A“ an und wenn unter „A“ als erster Beitrag ein Artikel über den „AKH“, den „Aktionskreis Halle“ folgt, ist den Kundigen klar, dass es sich nur um ein Lexikon über Opposition und Widerstand in der DDR handeln kann. Deshalb wird hier zurecht eine ganze Seite lang der Blick auf die dienstälteste oppositionelle Gruppe im SED–Staat (1969–1989!) gerichtet, der überdies von Beginn an Vertreter beider großen Kirchen angehörten. Peter Maser als Autor zeigt Detailkenntnis und schon wäre man/frau geneigt, befriedigt ob der Objektivität der Darstellung und des eigenen Wissenszuwachses zum nächsten Artikel „Aktion Sühnezeichen“ überzugehen, da bringt eine Formulierung im vorletzten Satz den Lesefluss zum Stocken: „Trotz der Bereitschaft einzelner katholischer Würdenträger, sich vom AKH zu distanzieren, konnte sich das MfS aber letztlich doch nicht zu dessen Auflösung entschließen“ 1. Konnte denn das MfS kirchliche Gruppen auflösen? Zumal in den Jahren 1984 bis 1989, um die es im Zitatzusammenhang geht? Und wer sind übrigens „katholische Würdenträger“ allgemein und in diesem speziellen Fall? Der Terminus wurde zu DDR – Zeiten ausschliesslich von den Blockparteien, also SED wie CDU, der gleichgeschalteten Presse und der Stasi benutzt.

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Gegen die Macht des Augenscheins — Visionen der Gründungszeit

Wer sich auf den Weg macht, sollte wissen, woher er kommt, wo er sich befindet und wohin er will. Im politischen Geschäft wird die Weg – Methapher oft gebraucht, aber schon hier gibt es in der Regel kaum Konsens darüber, wo man sei und noch weniger, wohin es gehen soll. Die „historischen“ Momente, in denen das politische Wollen sich bündeln läßt, stellen die Ausnahme dar. Diese Ausnahme haben wir miteinander im Herbst 1989 erlebt. Aber schaut man genauer hin, findet man auch in solcher Zeit eine Vielzahl von Politikverständnissen und Entwürfen, die dem gemeinsamen Handeln zugrunde liegen.

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Frieden, Zukunft und Hoffnung

Manifest der Naumburger Menschenrechtsgruppe vom 1. Mai 1977

Jeremia 29, 11

Denn ich weiss wohl,
Was ich für gedanken über euch habe,
Spricht der herr:
Gedanken des friedens und
Nicht des leids,
So dass ich euch gebe
Zukunft und hoffnung.

Mit Verhaftung werden für uns neue Aktivitäten notwendig. Wir stehen vor der Aufgabe, erstens ein möglichstes für Günther selbst zu tun, indem wir einen engen persönlichen Kontakt mit seiner Mutter halten, ihr bei der Korrespondenz mit den Behörden halfen und sie zu Gesprächen mit Rechtsanwälten und Kirchenvertretern begleiten. In diesem Bereich wird es in der nächsten Zeit noch einiges zu tun geben für Tautz, Behrend und Radeke, deren persönlicher Kontakt mit Frau Schau nicht so leicht durch andere ersetzt werden kann. Zweitens ist es nötig, Günthers Arbeit fortzusetzen und wenn möglich zu erweitern. Das ist nicht leicht bei einer Person, die mit so ungeheurem Einsatz und so viel Energie die Dinge betrieben hat.

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