Spiritueller Tourismus im 21. Jahrhundert. Theologische, pädagogische und ökonomische Perspektiven

Vortrag am 29.08.2011 in der Klosterkirche St. Peter und Paul, Erfurt

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Spirituelle Tourismus ist so alt, wie die Menschheit und religionsübergreifend: Mose führte das Volk Israel zum Heiligen Berg, Donar das Volk der Germanen zum Heiligen Baum. Die alten Griechen pilgerten zum Orakel nach Delphi, die alten Römer zum Jupitertempel. Die frühen Christen, weil sie das Problem der Auferstehung ihres Religionsstifters hatten, zu den Gräbern der Apostel, die Muslime nach Mekka bis zum heutigen Tag.

Insofern ist die vermeintliche Neuentdeckung der Tourismuswirtschaft und ihres Protagonisten — Hape Kerkeling — die Wiederbelebung einer sehr alten Tradition in der Erwartung, ein gutes Geschäft zu machen. Diese lapidare fiskalische Bemerkung sei vorangestellt, damit gleich klar ist, in meinem Vortrag geht es nicht um die Beweihräucherung einer geistlich motivierten Fortbewegungsart oder die Verteufelung von Nordic Walking und Stresstests. Alles hat seine gute und seine Kehrseite / Nordic Walking ist gut für die Artrose und Stresstests für die Verhinderung des Supergaus / und die Frage ist ja immer nur: Wie gehen wir damit um?

Damit sind wir bei der Eingangsfrage für meinen Vortrag. Spiritueller Tourismus ist da, war augenscheinlich schon immer da (das hatten wir in Deutschland in den letzten 80 Jahren nur verdrängt) und entwickelt sich seit einiger Zeit in Europa rasant. Bis zu dem eben genannten Komiker — dessen Buch ich übrigens mit viel Vergnügen gelesen habe — sogar ohne Werbekampagnen und Livestile – Rezepte.

Um uns einer Antwort auf die Frage „Wie gehen wir mit dem Phänomen des wachsenden Interesses an Spirituellem Tourismus um?“ zu nähern, sollten wir uns damit beschäftigen, dass der Vollzeit – organisierte Mensch der High – Tech – Gesellschaft in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend Wald–, Feld– und Wiesenwege anstelle von Betonpisten ansteuert. Diese Aussage bezieht sich auf sein Freizeitverhalten, nicht auf sein Arbeitsverhältnis. Dort muss alles glatt gehen, während der Charme des ungeebneten Untergrundes möglicherweise die Erinnerung an das Leben mit einer offenen Zukunft und den Rest von Abenteuerlust anspricht, die das Leben eigentlich erst wieder spannend macht.

Meine Damen und Herren,
das „Ende der Geschichte“ ist eingetreten und die Entwicklung unserer gesellschaftlichen Verhältnisse ist „alternativlos“! Sie erinnern sich an den Buchtitel von Francis Fukuyama von 1992 und das Unwort des Jahres 2010? Es gibt augenscheinlich Menschen, die sich mit dieser Einschätzung unserer Lebenswelt nicht abgefunden haben. Menschen, die noch mehr vom Leben erwarten, als die ewige Wiederkehr des Gleichen. Diese finden wir zunehmend bei ideenreichen Aktivitäten abseits von Betonpisten und Flugrouten. Und da sich Kreativität nicht in planlosem Loslaufen erschöpft, suchen diese Leute zunehmend Wege, die andere auf der Suche nach Sinn bereits vor ihnen gegangen sind.

Damit sind wir ganz dicht an einer ersten Antwort auf die Eingangsfrage, wie wir mit dem Phänomen des Erstarkens des Spirituellen Tourismus umgehen. Ich sage:

1. Ganz unvoreingenommen, das klingt nicht sehr spektakulär, ist es auch nicht. Nordic Walking und Jogging sind Erfindungen der Sportindustrie (es gibt Schlimmeres), das Wandern auf alten Pilgerpfaden hat sich völlig abseits von allen Werbekampagnen aus Einzel– oder Gruppeninitiativen heraus entwickelt. Heimlich, still und leise haben sich Leute auf den Weg gemacht, die wenigstens ihre Freizeit zwecklos aber sinnvoll verbringen wollten. Diese Wanderbewegung hat sich so behutsam ausgeweitet, dass selbst die Kirchen davon überrascht waren. Sie hatten sich — katholisch wie evangelisch — seit Jahrzehnten auf die Kasualienverwaltung (das ist tatsächlich der Terminus Technicus!) konzentriert und waren (und sind bis heute) nicht darauf vorbereitet, dass der (säkulare) Mensch wieder nach den Sinn des Lebens fragt. Insofern handelt es sich augenscheinlich um ein allgemein menschliches Phänomen, das, weil selbst–, nicht fremdbestimmt, unbedingte Unvoreingenommenheit verdient.

Es gibt noch eine zweite Antwort auf die Eingangsfrage nach unserem Umgang mit dieser neuen alten Form von Spiritualität. Die hat etwas mit der Herangehensweise — oder besser: mit meiner Herangehensweise? — an diese geistliche Spielart des Wanderns zu tun.

(Sie merken schon, dass mein Vortrag nicht hochwissenschaftlich daherkommt. In der Einladung zum heutigen Abend stand ja auch, dass ich „auf wissenschaftlicher Basis“ reden werde. Dass diese vorhanden ist, hören Sie möglicherweise heraus oder können es gern im anschließenden Gespräch überprüfen.)

Ich nähere mich dieser schönen Zeiterscheinung der Spiritualität homiletisch, was in der Theologen– oder Linguistensprache soviel wie deutend, übersetzend und — wie wäre es bei mir als Lehrer anders zu erwarten? — pädagogisch vermittelnd bedeutet. Wie sollte also unser Umgang mit dieser erstaunlichen Anziehungskraft bewegender Spiritualität sein? Ich sage:

2. Achtsam. Ein kleines deutsches Wort, das wie die Sache selbst, über die wir hier verhandeln, lange aus der Mode gekommen war. Was bedeutet, dass wir nicht damit anfangen, unsere umfassende Allgemeinbildung und geballte Analytik auf etwas zu richten, um es dann ein für allemal geklärt zu haben, sondern uns aufmerksam darum bemühen zu erfassen, was da lebt, webt und sich entwickelt und wohin es denn vielleicht gehen mag. Die Reformatoren und Aufklärer hatten einen treffen lateinischen Satz oder besser: Ruf dafür, der lautete „ad fontes!“ = zu den Quellen. In unserem Fall: fragen wir doch zuerst mal die Betroffenen selbst, die Touristen auf spirituellen Wegen.

Diese Frage zu beantworten, ist sogar jetzt und hier möglich, denn eine Umfrage dazu hat erst kürzlich stattgefunden und deren Ergebnisse kann ich in unserem Kreis mitteilen.

Zuvor jedoch noch zwei Hinweise, die im Folgenden meines Vortrages eine wichtige Rolle spielen werden. Wenn ich das Wort „achtsam“ in Bezug auf den Gegenstand unserer Überlegungen benutze, dann verwende ich eine der deutschen Übersetzungsmöglichkeiten des Adjektivs „religiös“. Denn Religiosität ist ursprünglich nichts anderes als Achtsamkeit auf die überirdischen Dinge (hier im wörtlichen Sinne gemeint: „über den Planeten Erde hinausgehend“) und deren Einfluss auf das menschliche Leben.

Und über das Adjektiv „religiös“ kommen wir nun auch auf ein Verb, das manche von Ihnen vielleicht schon vermisst haben: Menschen, die auf den Pfaden des Spirituellen Tourismus wandeln, tun nichts anderes als „Pilgern“, auch wenn sie es selbst nicht so bezeichnen würden.

Doch wollen wir der Gefahr der Vereinnahmung wehren. Aus diesem Grund werden wir nicht ab sofort allen Wanderern auf dem Lutherweg erklären, dass sie in Wahrheit Pilger sind, es ihnen nur nicht bewusst ist, sondern wir werden sie fragen, wie sie selbst ihre Reise verstehen.

Daher also zurück zur bereits angekündigten Umfrage, die im Jahr 2009 vom Projektbüro Hildebrandt im Auftrag der TourismusRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg durchgeführt wurde und sich an Menschen aus Deutschland richtete, die ihr Interesse am sachsen-anhaltischen Lutherweg bekundet hatten.

Das Ergebnis:

  • 32% der Befragten möchten wandern,
  • 30% möchte mit dem Fahrrad fahren,
  • 22% möchten pilgern,
  • 14% möchten mit dem Auto fahren und
  • 2% möchten reiten.

Meine Damen und Herren, das alles wäre Spiritueller Tourismus: Wandern, Fahrrad– und Autofahren, pilgern und reiten. Wenn man jedenfalls davon ausginge, dass es sich a priori um diese touristische Kategorie handelte, wenn sich Menschen auf einer solchen Route wie dem Lutherweg bewegen.

Damit sind wir beim Hauptteil und der Hauptfrage meines Vortrages angelangt. Was ist es denn nun, für das sich der Begriff „Spiritueller Tourismus“ eingebürgert hat? Denn nur, wenn wir das einigermaßen wissen, werden wir angemessen (wir erinnern uns: „unvoreingenommen“) mit diesem Phänomen umgehen und damit einerseits den Wünschen seiner Interessenten gerecht werden und andererseits unserer Stadt Erfurt sowie unserem Bundesland Thüringen einen nachhaltigen Nutzen bescheren können. Was den Lutherweg anbetrifft, so wäre dieser Nutzen übrigens mitteldeutschlandweit zu erzielen, was uns weitere Verbündete bei unseren Anstrengungen zuführen würde.

Als ehemaliger Lutherbeauftragter in Magdeburg zitiere ich aus den Tourismusstudien Sachsen – Anhalts (Nr. 19, 2006). Ich betone, diese Broschüre ist im Auftrag des dortigen Wirtschaftsministeriums herausgegeben worden. Auf kirchlicher Seite gab es zu diesem Zeitpunkt substantielle Veröffentlichungen zu diesem Thema noch nicht. Und ich halte diese Ausarbeitung bis heute für eine ausgezeichnete und ausreichende Arbeit, um sich umfassend über unser Thema zu informieren.

Dort steht also auf S. 8: Spiritueller Tourismus ist „Reisen mit Selbstfindung, Sinnsuche und der Erfahrung des ‚ganz Anderen‘ zu verbinden“. Das klingt gut, nicht zu fromm, nicht zu esoterisch, aber auch nicht vordergründig säkularisiert und es lohnt sich, die drei zu verbindenden Erscheinungsweisen etwas genauer anzusehen.

Als es in den 60er Jahren Mode wurde, „sich selbst zu finden“, karikierten diese deren Kritiker mit folgendem — für mich immer noch eindrucksvollem Spruch:
„Es saßen am Ufer des Ganges drei Hindus
Und fragten sich:
Bist ich’s, sind er’s oder bin du’s?“

Das meine nichts anderes, als wenn die Selbstfindung zum Selbstzweck wird, dann sollte man ihr nur nachgehen, wenn man auf den schnellsten Wege ins Nirwana möchte. Ansonsten verliert man seine Lebensfähigkeit. Danach ist das „sich selbst finden wollen“ schnell wieder aus der Mode gekommen.

Selbstfindung heute geschieht auf dem Hintergrund, dass wir uns in der schnelllebigen Zeit des 21. Jahrhunderts zu verlieren drohen. Nicht zufällig stehen solche Bücher auf den Bestsellerlisten, wie „Entschleunigung. Abschied vom Turbokapitalismus“, „Anleitung zum Müßiggang“ oder „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

Nun kann es aber passieren, dass man im Ergebnis des Selbstfindungsprozesses feststellt: Da, wo man sein Selbst vermutet hat, ist nichts. Kein individueller Kern, kein Ort, nirgends. Wenn das zu befürchten steht, sollte man die Suche nach sich selbst lieber rechtzeitig einstellen. Oder sie eben mit der „Sinnsuche“verknüpfen.

Normalerweise überlassen wir die Sinnsuche den Philosophen und Pfarrern. Auch die wissen, dass man Sinn selten am Arbeitsplatz (in ihrem Falle — dem Schreibtisch oder der Kanzel) findet. Dort wird er im besten Fall verkündet. Vielleicht erinnern Sie sich an unseren großen deutschen Philosophen Ernst Jünger, der 1998 102jährig gestorben ist. Er hat sich selbst gern als „der letzte Waldgänger“ bezeichnet.

Hier haben wir eine signifikante Verbindung von Sinnsuche und Tourismus: Beim Waldgang (Jünger hat den Einschub „spazier“ bewusst weggelassen und ich tue as ihm gern nach) erschließt sich der Sinn, der meinem Leben einen Inhalt geben kann. Nicht am Stammtisch bei Bier und Zigarette.

Wenn also Selbstfindung und Sinnsuche miteinander verbunden werden, dann begeben wir uns in einen heilsamen Prozess, der überraschenderweise nicht in meiner gewohnten Lebenswelt endet, sondern „die Erfahrung des ‚ganz Anderen‘“ mitbringt.

Immer noch Zitat Wirtschaftsministerium! Ich unterliege deshalb nicht der Versuchung, jetzt vom Heiligen oder Göttlichen, von Buddha, Christus oder Mohammed zu reden, sondern frage zuerst ganz einfach: Erfahrung des „ganz Anderen“ — als was?

Die Antwort ist nämlich einfach und müsste jedermann und –frau sofort einleuchtend sein: Beim Beschreiten eines Weges, der nicht zum nächsten Termin führt, sondern zum nächsten Aussichtspunkt im Steigerwald, macht eigentlich jede/r die Erfahrung, dass das anders ist, als der Gang an die Werkbank oder ins Büro. Anders als alle Wege, die ich im Alltag durchlaufe, ob es sich nun um Fuß– oder Denkwege handelt.

Wenn nun noch dazu kommt, dass der einfache Waldgang — an sich schon eine gute Sache — zu einem Wander– oder Pilgerweg qualifiziert ist, den andere vor mir schon beschritten haben, ebenfalls auf de Suche nach sich selbst und dem Sinn ihres Lebens, dann kann die Erfahrung des „ganz Anderen“ hinzukommen.

Auch hier müssen wir nicht gleich übersinnlich werden. Wer schon einmal auf den Kickelhahn geklettert ist und im Goethehäuschen „Über allen Wipfeln ist Ruh“ deklamiert hat, weiß, was ich meine.

Womit wir allerdings zu einem eklatanten Fehler gekommen sind, den diese sonst anregende Definition vom Spirituellen Tourismus hat und den wir zum Abschluss dieses Teils noch verbessern müssen: Ich kann mich aufmachen auf die Suche nach meinem Selbst und dessen Sinn. Da werde ich auch was finden, ich muss mir nur die nötige Zeit dafür lassen. Aber ich kann mir nicht vornehmen, diese Art zu Reisen, mit der „Erfahrung des ‚ganz Anderen‘ zu verknüpfen“. Das wäre ja so, als wollte ich zum Kickelhahn wandern und erwarten, mir fiele ein ähnlich großartiges Gedicht wie das Goethesche ein.

Was ich lediglich tun kann, ist die Bedingungen zu schaffen, die Erfahrung eines „ganz Anderen“ zu machen. Herbeiführen kann ich es nicht. Was dieses „ganz Andere“ dann wäre, wenn es denn (von sich aus) in mein Leben tritt, zu beschreiben ist hier nicht der Ort. Aber meinen Vorschlag für die Definition von Spirituellen Tourismus will ich gern geben: Reisen mit Selbstfindung und Sinnsuche zu verknüpfen und sich dem „ganz Anderen“ öffnen. — Ob es mir dann begegnet, bleibt die nur individuell zu beantwortende Frage auf der Pilger – Wanderschaft.

Ich komme zum Schlussteil, auf dem es ganz praktisch wird. Wir wissen jetzt, was „Spiritueller Tourismus“ beinhaltet und dass wir uns bei dessen Betrachtung den Menschen widmen, die Wandern oder Radfahren wollen, Pilgern oder reiten oder gar meinen, auch bei dieser Art des Reisens nicht auf das Auto verzichten zu können. Ich schlage vor, dass wir die Autofahrer hier vernachlässigen, zumal ich mir bisher nicht vorstellen konnte, wie sich das mit Selbstfindung und Sinnsuche verknüpfen ließe.

Die Frage stellt sich also bezogen auf die Wanderer, Pilger und Radler: Welche Wege können wir ihnen denn in Thüringen anbieten? Ich zähle der Vollständigkeit halber auf, was Sie längst wissen: Durch Thüringen führt

  • der Jakobsweg,
  • der Ökumenischen Pilgerweg (die Via Regia),
  • der Pilgerweg Loccum-Volkenroda und künftig
  • der Lutherweg,

um nur die wichtigsten zu nennen.

Diese kleine Aufzählung macht schon deutlich, dass die Wege und damit unsere geistliche Spezialform von Tourismus nicht über einen Kamm zu scheren sind. Diese einfache Erkenntnis ist wichtig und hat praktische Folgen, denn wenn wir erfolgreich um Gäste auf unseren Wegen werben wollen, müssen wir ihnen genau sagen, was sie wo erwartet, damit wir nicht Enttäuschungen hervorrufen, die ein Negativ – Image hinterlassen.

Zur Illustration noch ein Blick auf die oben schon erwähnte Umfrage des Projektbüros Hildebrandt am Lutherweg. Auf die Frage: „Was ist Ihnen auf den Lutherwegstationen besonders wichtig?“ antworteten in der Spalte „Veranstaltungsangebote kultureller Art“

  • 11% sehr groß,
  • 58 % wichtig und
  • 31% unwichtig.

Sehr vergröbert würde ich daraus schlussfolgern:

  • Die 11% schicken wir auf die via regia,
    (auf der man nicht so gut pilgern, dafür aber reichlich Kultur erleben kann)
  • die 58 % auf den Lutherweg
    (der Streckenweise als Pilger– und Wanderweg geeignet ist und darüber hinaus einiges an Kultur zu bieten hat)
  • und
  • die 31 % auf den Jakobsweg oder nach Volkenroda
    (die beide zuallererst auf das Pilgern ausgerichtet sind).

So einfach ist es selbstverständlich nicht. Aber wenn wir wissen, dass die Erwartungen unserer Zielgruppe sich in zweierlei Hinsicht unterscheiden, nämlich die Fortbewegungsart und den Erlebnishorizont betreffend, dann sollten wir einerseits unsere Werbung darauf einstellen und andererseits die je unterschiedliche Profilierung der Wege weiter vorantreiben.

Dazu möchte ich zum Abschluss einen Vorschlag machen, der ggf. auch der Gesprächseinstieg für den zweiten Teil unserer Zusammenkunft hier in der Peterskirche sein könnte.

Einführend der Verweis auf eine Internetseite, die ich erst während der Ausarbeitung dieses Vortrages entdeckt habe: Sie heißt „Outdooraktiv“, was ich angesichts des Inhaltes der Seiten mit „Draußenbewegen“ übersetzen würde. Ich hatte „Pilgerwege Thüringen“ bei Google eingetippt und lese dort in schöner Gemeinsamkeit die Kategorien:

  • Wandern in der Region Thüringen,
  • Rad in der Region Thüringen,
  • Laufen in der Region Thüringen,
  • und Pferde in der Region Thüringen.

Wobei das Stichwort Pilgerweg unter „Wandern“ eingetragen ist und sich „Nordic Walking“ und „Jogging“ unter „Laufen“ finden. Für mich bedeutet das: Die Tourismuswirtschaft stellt sich auf die oben beschriebene Bedürfnisse bereits ein. Es ist nur noch die Frage, wie wir diese bei unseren Überlegungen und Planungen aufnehmen.

Mein Vorschlag: Schauen wir uns unsere Pilgerwege noch einmal genau an. Lassen Sie uns überlegen, für welchen Weg und dort, für welche Abschnitte, ist der Begriff „Pilgern“ tatsächlich angemessen. Wo sollten wir besser vom „kulturvollen Wandern“, wo vom „entspannten Radfahren“ reden. Wo kann mit gutem Gewissen sogar das Reiten empfohlen und angeboten werden. Und vor allem: Wo sind die Wege so gestaltet, dass sich auf Ihnen Spiritualität entfalten kann.

Um bei dieser Aufgabe zu einem guten Ergebnis zu kommen, braucht es die genaue Betrachtung, ja die akribische und kritische Begutachtung der Wegstrecken. Das macht Arbeit und kostet Geld. Aber die Pilger, Wanderer, Radfahrer und Reiter werden es uns danken. Wenn sie nicht — wie es noch allzu oft passiert — auf schlecht ausgeschilderten Wegen und vor verschlossenen Türen umherirren, sondern vorfinden, wozu wir sie eingeladen haben, dann kann sich Spiritualität entfalten. Dann kann bei allen vier Fortbewegungsarten Selbst– und Sinnfindung erfolgreich sein und — mit etwas Glück (oder, wenn Sie wollen, dem Eingreifen des Heiligen Geistes) sich auch die Begegnung mit dem „ganz Anderen“ ereignen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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