Eine virtuelle Reise zur kleinen Marie nach Japan

Annette Hildebrandt und Lothar Tautz schreiben an einem religiösen „Jahrtausend-Thriller“

Yvette Meinhardt, Mitteldeutsche Zeitung, 23. Dezember 2009

Täuchern — Weiße Flocken tanzen vor dem Fenster. Der Blick schweift über den verschneiten Stadtpark in Teuchern. Holz lodert im Ofen und verbreitet Gemütlichkeit. Die Pyramide aus dem Erzgebirge dreht ihre Runden. Am Adventskranz züngeln Kerzen. Weihnachten im Pfarrhaus. „Für den Baum haben wir jedes Jahr einen neuen Platz gefunden“, sagt Annette Hildebrandt und öffnet die Tür zur Bibliothek. Der Blick fällt auf den großen Weihnachtsbaum.

Die echten Wachskerzen werden Donnerstag zum ersten Mal angezündet, neben dem Baum steht ein Eimer für den Notfall. „Das Problem sind nicht die echten Kerzen, sondern eher die Katze, die gern mit den roten Kugeln spielt und damit den Baum ins Wanken bringen könnte“, plaudert Annette Hildebrandt. Am Heiligen Abend setzt die Wahl – Teuchernerin auf Traditionen. Die erwachsenen Kinder kommen zu Besuch. Die Christvesper steht fest im Programm. Dazu fährt sie mit ihrem Mann in den Merseburger Dom, weil sie dort im Chor mitsingt. Danach wird zu Hause musiziert. „Ich spiele Klavier und Cello, meine Tochter Klavier und Geige“, verrät Annette Hildebrandt. Natürlich steht sie selbst am Herd, bereitet die Gans als Festtagsbraten zu.

„Die Tiere von Osterland sind wirklich etwas ganz Besonderes, kein anonymer Einkauf im Supermarkt, so wie ich es aus Berlin kannte, sondern frisch vom Erzeuger“, erzählt die 55 – Jährige. Und während sie sich um den Festtagsbraten kümmert, surft die Familie im Internet. Am ersten Feiertag soll eine virtuelle Internet – Verbindung nach Japan geschaltet werden. Dort lebt der Sohn von Lothar Tautz und dieser ist gerade Vater geworden. „Das kleine Mädchen heißt Marie und sieht mit ihren herrlichen Mandelaugen so süß aus“, plaudert Annette Hildebrandt. Große Fotos hängen in der Wohnküche und langsam reift der Wunsch zu einer Fernreise nach Japan.

Für Annette Hildebrandt gibt es kein Weihnachten ohne Bücher. Das fängt bei der Heiligen Schrift an, reicht über Geschenke bis zum Vorlesen unterm Baum. „Die Familie lernt als erstes meine neuen Manuskripte kennen, mein Mann Lothar Tautz liest sie noch vor dem Lektor“, erzählt die Schriftstellerin. In diesem Jahr erschien ihr neuer Roman „Abrahams Töchter“. Hier erzählt sie die turbulente Lebensgeschichte ihrer Tante, die nach ihrer Kindheit Deutschland verlässt und sich eine neue Existenz in den USA aufbaut. Mutig mischt sich die Christin unter fremde Kulturen und Religionen. Die Liebe zu einem Juden, einem katholischen Palästinenser und einem syrischen Moslem zeichnet ihren Weg. „Das Buch erschien in der Evangelischen Verlagsanstalt, was durchaus Reibereien brachte“, blickt sie zurück.

Im Herbst ging die Autorin auf Lesereise, war im Burgenlandkreis, in Jena, Mühlhausen und Bitterfeld unterwegs. „Als Resonanz erhalte ich häufig Briefe von Lesern, und meine 74 – jährige Tante in Texas will den Roman jetzt ins Englische übersetzen lassen“, verrät sie. Doch ihr erster Kritiker bleibt ihr Mann. „Hier liegen Lob und gefühlvolle Kritik eng beieinander. So habe ich mich nach dem Entwurf komplett von einem Erzählstrang getrennt, inhaltliche Schwerpunkte verlagert und den Roman überarbeitet“, erzählt die Autorin von ihrem Schaffen.

Jetzt will sie gemeinsam mit Lothar Tautz einen „Jahrtausend – Thriller“ schreiben. Er erzählt die 2000 – jährige Geschichte des so genannten dritten Testamentes. „Es geht natürlich um die christliche Religion beginnend im Jahr 8 und so manches Geheimnis. Mehr wird noch nicht verraten“, sagt Annette Hildebrandt.

Die Arbeit ist klar geteilt, der Ehemann recherchiert in der Historie, gemeinsam wird das Konzept erarbeitet, Handlungsrahmen skizziert, tragende Personen und Orte festgelegt. Annette Hildebrandt übernimmt dann das Schreiben. „Natürlich ist nicht damit zu rechnen, dass der Thriller schon im nächsten Jahr fertig ist. Allein die Recherchen brauchen reichlich Zeit“, sagt Annette Hildebrandt. So arbeitet sie „nebenbei“ an einem „Abc – Barrierefreiheit“ und an zwei weiteren Drehbüchern. Doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Der Text wurde nach schriftlicher Genemigung der Autorin übernommen · zum Seitenanfang