Podiumsdiskussion DDR 1968:

Zwischen Prager Frühling, Pariser Mai und Woodstock

Hat es in der DDR überhaupt eine eigene 68er–Generation gegeben? / Oder waren die Jugendlichen hier nur Zaungäste, die zwar nach den gleichen Rhythmen tanzten wie ihre Altersgenossen diesseits und jenseits des Atlantiks, aber lediglich am Fernsehschirm Daniel Cohn–Bendit und Rudi Dutschke agieren sahen und allenfalls auf der Karlsbrücke in Prag debattierende Studentengruppen live erleben konnten? Gab es auch ostdeutsche Erfahrungen und Ideale, die auf einem „langen Marsch durch die Institutionen“ bis 1989 geschleppt wurden?

Als Einleitung zeigen wir den Film „Kalter Frühling in Kleinmachnow“. Vier ehemalige SchülerInnen, die 1968 die EOS Kleinmachnow besuchten, erinnern sich an die Zeit des Prager Frühlings in der DDR. Inspiriert von den Ideen eines reformierten Sozialismus gingen sie mit einer Wandzeitung an die Öffentlichkeit. In dem Film beschreiben sie ihre Motive, die Reaktionen von Schule und Staatsmacht und ihren weiteren Lebensweg in der DDR.

Über diese und andere Fragen diskutieren:

Bettina Wegner, Liedermacherin und Sängerin, verteilte nach dem Einmarsch der sowjetischen Panzer in Prag Flugblätter in Ostberlin und wurde verhaftet;

Annette Simon, Psychoanalytikerin und Autorin, solidarisierte sich als Oberschülerin mit den Prager Reformern und befragte vor einigen Jahren alte 68er in Ost und West für ein Buch;

Franziska Groszer, Schriftstellerin, 1968 Mitbegründerin der einzigen Kommune in Ostberlin;

Bernd Gehrke, forscht am Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschungen über die Geschichte der DDR-Opposition und hat 2007 ein Buch über 1968 und die Arbeiter veröffentlicht;

Lothar Tautz, Theologe und Erwachsenenbildner aus Erfurt, erlebte als 18jähriger den Prager Frühling und trat nach dem Einmarsch der sowjetischen Panzer wieder aus der SED aus;

Moderation: Annette Leo, Historikerin an der Universität Jena.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stiftung Aufarbeitung. Donnerstag, 22. Mai 2008, 19:30 Uhr Jena, Stadtbibliothek, Carl–Zeiss–Platz 15

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