RAG Sachsen-Anhalt, Jahresbericht 2006/2007

18. Oktober 2007

Die Arbeit der RAG Sachsen–Anhalt war trotz eines kleinen Mitgliederzuwachses und zahlreicher Aktivitäten im Hinsicht auf die Landespolitik und Veranstaltungen geprägt durch berufliche Veränderungen in der Sprechergruppe, die zwar zuerst Kräfte anderweitig gebunden haben, längerfristig aber der Arbeit zugute kommen. So ist Angela Gorr (früher Leiterin der Magdeburger Volkshochschule) jetzt Landtagsabgeordnete, Lothar Tautz (früher Landeszentrale für politische Bildung) jetzt im Kultusministerium für die Vorbereitungen des Reformationsjubiläums 2017 zuständig und Joachim Scherrieble (früher Leiter der Gedenkstätte Marienborn) jetzt Gründungsdirektor der Gedenkstättenstiftung in Sachsen-Anhalt.

Auch die Zusammenarbeit mit den im Lande für die Arbeit unseres Vereins zuständigen Ansprechpartnern musste wieder eingeübt werden: Der neuer Innenminister Holger Hövelmann hatte genauso wie sein Staatssekretär bisher wenig mit unseren Themen zu tun gehabt und der neue Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen musste sich erst in sein verantwortungsvolles Amt einarbeiten.

Lothar Tautz im Gespräch mit Innenminister Hövelmann

Lothar Tautz im Gespräch mit Innenminister Hövelmann

Das alles ging nicht ohne Schwierigkeiten ab: Der mit vehementer Unterstützung unseres Vereines gegen die Präferenz des Ministeriums gewählte Stiftungsdirektor konnte zwar sein Amt mit gewohntem Engagement inzwischen aufnehmen, aber der Stiftungsvorstand ist nur begrenzt handlungsfähig, weil die Opferverbände aufgrund der Mitgliedschaft einer ehemaligen Staatsanwältin der DDR im Vorstand die Zusammenarbeit (wie ich meine zu Recht) verweigern. Im vergangenen Jahr endete das Gedenken an die Mauertoten am 13. August in Marienborn mit einem Eklat, weil der Innenminister (in den letzten DDR–Jahren Offiziersschüler bei der NVA) nicht den richtigen Ton traf. Hier konnte der RAG-Sprecher erfolgreich vermitteln, so dass sich die Zusammenarbeit mit den Opferverbänden inzwischen normalisiert hat (Vgl. Bild)

In der Gedenkstätte Moritzplatz stehen Bauarbeiten an, deren Konzeption durch den Einsatz unseres Mitgliedes Wolfgang Stiehl (Mitglied der Sprechergruppe und Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus in Sachsen–Anhalt) unsren Wünschen entsprechend beeinflusst werden konnte.

Am Wohnsitz des RAG–Sprechers (Stadt Teuchern/Burgenlandkreis) hat der Bürgermeister mit Zustimmung des Stadtrates der RAG ein Vereinszimmer zunächst mietfrei zur Verfügung gestellt (ein ehemaliges Klassenzimmer), das gleichzeitig als Archiv– und Arbeitsraum sowie als Büro genutzt werden kann. Da direkt nebenan sich das Vereinszimmer des Heimatvereins befindet, haben sich bereits Synergieeffekte ergeben, die im nächsten Jahr in ein gemeinsames Projekt zur Erforschung der Nazizeit in der Stadt münden.

An Veranstaltungen waren herausragend die Wanderausstellung in der Gedenkstätte Marienborn „Jung sein in der Ära Ulbricht. Jugendpolitik der SED und jugendlicher Alltag in der DDR 1973–1949“ im April, die durch Dr. Scherrieble auch selbst eröffnet wurde (ist kostenlos ausleihbar in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn) und die wesentlich durch unseren Verein organisierte (und finanzierte) Tagung in Zeitz/Rippicha zum Gedenken an Pfarrer Oskar Brüsewitz im Juni (vgl. den Bericht in unserer Zeitschrift 09/07).

An den Volksaufstand am 17. Juni 1953 erinnerte der Verein durch eine äußerst gelungene (und sehr empfehlenswerte!) Aufführung des Theaterstücks „Die Prahlerin“ von Erich Loest am 14. Juni 2007 in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn in einer Inszenierung der „theatrale Halle“.

Darüber hinaus gab es zahlreicher kleinere (vor allem Schul–) Projekte zum Thema DDR–Geschichte in den Gedenkstätten vor allem verantwortet durch Wolfgang Stiehl und Joachim Scherrieble und in Sekundarschulen und Gymnasien (so z.B. in der Landesschule Pforta, in den Gymnasien Droyßig und Hohenmölsen und in der Berufsschule Zeitz, gestaltet durch den RAG–Sprecher) mit Zeitzeugen.

Einige Ausstellungsprojekte zu den Themen „Das Bild der DDR“ und „Opposition und Widerstand“ in den 80er Jahren sind gemeinsam mit den Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen durchgeführt worden (u.A. in Lutherstadt Wittenberg, Halle/Saale und Naumburg/Saale).

Am 27. September wurde mit Unterstützung der RAG im Rahmen des 1. Literaturherbstes im Burgenlandkreis in Weißenfels eine Ausstellung zum Thema „Prometheus — Zensierte Kunst aus der DDR“ eröffnet, die ebenfalls mit einem Schulprojekt verbunden ist.

gez. Lothar Tautz

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