Jubiläumsjahr 2009 — 20 Jahre friedliche Revolution in der DDR

Bildungsangebote für Jugendliche und Lehrkräfte an den Gymnasien und Sekundarschulen des Landes Sachsen–Anhalt

Sehr geehrte/r

In diesem Jahr jährt sich die Friedliche Revolution des Herbstes 1989 zum zwanzigsten Mal. Die wertvollen Güter Freiheit und Demokratie sind den Bürgern der DDR vor 20 Jahren nicht in den Schoß gefallen. Ein ganzes Volk rebellierte gegen die Diktatur des Obrigkeitsstaates DDR und nahm sein Schicksal in eigene Hände. Unzählige Bürger entschieden sich, beim Einüben der Demokratie mitzumachen, übernahmen politische Ämter, bauten in Politik, Wirtschaft und Verwaltung neue Strukturen auf und sorgten für die Auflösung des kommunistischen Machtapparates.

Lother Tautz und Gehrhard Ruden planen auch für 2009 wieder Schulprojekte zum Thema DDR-Geschichte!

Aber Demokratie lebt von Bewegung und Veränderung: Politische Verantwortung kann immer nur auf Zeit ausgeübt werden und erfordert ständig neue Menschen mit neuen Ideen. Wenn wir Demokratie als Ziel erreichen wollen müssen wir sie als den Weg unseres Zusammenlebens begreifen.

Und damit wir auf dem Wege der Demokratie bleiben, hat Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer im Februar 2008 eine Demokratie–Offensive initiiert. Die am 17.Juni verabschiedete Kabinettsvorlage „20 Jahre Wiedervereinigung“ fordert alle Institutionen des Landes auf, ihren Beitrag für die „Wehrhaftmachung“ unserer Demokratie zu leisten. In diesem Zusammenhang habe ich als Landesbeauftragter für die Stasi–Unterlagen in Zusammenarbeit mit dem Verein „Gegen Vergessen — Für Demokratie“ mit dem Schulprojekt „Jugend in der DDR“ eine Bildungsoffensive für die Klassenstufen 10 bis 12 an den allgemeinbildenden Schulen gestartet.

Projektbeginn war am 26. März 2008 in Eisleben. Insgesamt fanden 14 Schulprojekte in Egeln, Rosslau, Wernigerode, Zeitz, Weißenfels, Magdeburg und Blankenburg sowie ein Seminar in der Uni Magdeburg statt. 410 Schüler/innen und 25 Studierende sowie 28 Lehrkräfte nahmen an den Projekten teil. Die Resonanz war jedes Mal gut: Das zeigte der wiederkehrende spontane Beifall der Jugendlichen und die positiven Reaktionen der Lehrerinnen und Lehrer.

Auch die Presseresonanz ließ nichts zu wünschen übrig. Sowohl in der Volksstimme und der Mitteldeutschen Zeitung wurde mehrfach ausführlich über das Projekt berichtet. Besonders erfreulich war dabei, dass die Berichterstattung zu einer anhaltenden Leserdiskussion anregte. So waren in der MZ noch am 29. Dezember Leserbriefe zum Thema abgedruckt. Der Höhepunkt der Öffentlichkeitswirksamkeit aber war eine Diskussion des Landesbeauftragten mit Minister Prof. Dr. Olbertz und Vertretern der Presse im Deutschlandfunk am 22. August 2008 zur besten Sendezeit.

Auch in diesem Jahr habe ich die Absicht, gemeinsam mit der Landessektion des Vereins „Gegen Vergessen — Für Demokratie e.V.“ eine Reihe von gemeinsamen Schulprojekten in Gymnasien und Sekundarschulen durchzuführen. Um eine möglichst große Zahl von Jugendlichen zu erreichen und neben der Faktenvermittlung die Jugendlichen auch emotional anzusprechen, möchte ich wieder Projektunterricht anbieten. Vorgesehen sind Unterrichtseinheiten mit einem Zeitumfang von zwei bis drei Doppelstunden (10.–12. Klasse entsprechend Rahmenlehrplan). Zusätzlich könnten am jeweiligen Nachmittag eine durch das LISA anerkannte Lehrerfortbildung und ggf. am Abend eine Veranstaltung gemeinsam für Lehrer, Eltern und Schüler organisiert werden.

Bei den Unterrichtsprojekten handelt es sich um didaktisch und methodisch vorbereitete, die Alterstufen ansprechende, Doppelstunden (Beispiel vgl. Anlage). Das erste Projektmodul wird sich dabei auf jugendbezogene DDR – Geschichte konzentrieren, in diesem Jahr mit dem inhaltlichen Schwerpunkt auf den Ereignissen des Jahres 1989. In einem zweiten Modul soll der Landesbeauftragte in Form von Interviews und Gruppengesprächen Gelegenheit haben, seine Erfahrungen mit der DDR als „Diktatur der Arbeiter und Bauern“ sowie die Arbeit seiner Behörde vorzustellen.

Die Projektmodule sind jugendgemäß medial aufbereitet. Dazu können auch Künstler mit DDR–Vergangenheit oder andere Zeitzeugen gewonnen werden, die authentisch aus ihrem Leben berichten oder mit ihrem musikalischen oder geschichtlichen Vortrag auftreten. Die Festlegung weiterer thematischer Schwerpunkte wird in Absprache mit den fachlich zuständigen Lehrkräften erfolgen.

Synergieeffekte können durch die am Ort vorhandene Erinnerungskultur oder eventuell am gleichen Ort stattfindende Beratungstage des Landesbeauftragten entstehen. Kosten für die Projektmodule fallen für die jeweilige Schule nicht an. Bei weiterführenden Veranstaltungen wäre allerdings die finanzielle Beteiligung eines Fördermittelgebers zu prüfen.

Ihrer Antwort sehen meine Behörde und der Verein „Gegen Vergessen — für Demokratie e.V.“ mit Interesse entgegen. Zu notwendigen Terminabsprachen bitte ich Sie, mit meiner Behörde Kontakt aufzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Ruden

Anlage: Beispiel · zum Seitenanfang