„1968: Jugendbewegung in der DDR“

Ein Bildungsangebot für Jugendliche und Lehrkräfte an den Gymnasien des Landes Sachsen-Anhalt

29.07.2008

Immer wieder kommen Politiker auf die Notwendigkeit zu sprechen, Jugendlichen DDR–Geschichtskenntnisse zu vermitteln, die jenseits von Nostalgie einerseits und Schwarzmalerei aller Lebensbereiche im „real existierenden Sozialismus“ andererseits liegen. Zur Dringlichkeit dieser Aufgabe haben sich erst im letzten Herbst wieder namhafte Politiker/–innen geäußert:die Kanzlerin (MZ 17.09.07), Prof. Dr. Schröder (MZ 26.09.07 und folgende Diskussion) und zuletzt Ministerpräsident Böhmer, der in der Mitteldeutschen Zeitung vom 12.10.07 eine „Bildungsoffensive“ forderte. Auch die aktuelle die Kampagne „Hingucken! Für ein demokratisches und tolerantes Sachsen–Anhalt“ zeigt: Ohne den Erwerb von kultureller und geschichtlicher Identität ist es kaum möglich, unseren Jugendlichen ein positives Demokratiebewusstsein zu vermitteln, also Demokratie zu lernen und zu leben, Toleranz zu üben und resistent gegen (rechts–) extremistischen Haltungen zu sein bzw. aktiv dagegen vorzugehen.

Aus diesem Grund führten der Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes Gerhard Ruden und der Landessprecher des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“ Lothar Tautz in diesem Jahr eine Reihe von gemeinsamen Schulprojekten zum Thema DDR-Geschichte zuerst in den Gymnasien des Landes Sachsen–Anhalt durch. Projekte in den Sekundarschulen sollen folgen. Um eine möglichst große Zahl von Jugendlichen zu erreichen und dennoch nachhaltig arbeiten zu können, sind Projekte mit einem Zeitumfang von zwei bis drei Doppelstunden umgesetzt werden (10.–12. Klasse entsprechend Rahmenlehrplan).

Das Schulprojekt bot zwei didaktisch und methodisch jugendgemäß vorbereitete Doppelstunden, wobei das erste Modul sich auf die Vermittlung von auf Jugendthemen bezogener DDR–Geschichte konzentriert und im zweiten Modul der Landesbeauftragte in Form eines Interviews und Gesamtgruppengespräch Gelegenheit hat, seine eigenen Erfahrungen und Einschätzungen sowie die Arbeit seiner Behörde vorzustellen. Die Festlegung thematischer Schwerpunkte geschah in Abspreche mit den fachlich zuständigen Lehrkräften. In diesem Jahr war das Thema Jugendkultur und Prager Frühling im Blick auf die Ereignisse von 1968 relevant.

Projektstart war am 26. März 2008 in Eisleben. Insgesamt fanden 14 Schulprojekte in Egeln, Rosslau, Wernigerode, Zeitz, Weißenfels, Magdeburg und Blankenburg sowie ein Seminar in der Uni Magdeburg statt. 410 Schüler/innen und 25 Studierende sowie 28 Lehrkräfte nahmen an den Projekten teil. Die Resonanz war jedes Mal gut: Das zeigte der wiederkehrende spontane Beifall der Jugendlichen und die positiven Reaktionen der Lehrerinnen und Lehrer.

Da inzwischen hierzulande immer mehr Schulen sich des Themas „DDR“ an Projekttagen annehmen und auch andere Akteure, wie die Konrad–Adenauer–Stiftung, entsprechende Aktivitäten entwickeln, lässt sich zumindest für Sachsen–Anhalt relativieren, dass die DDR–Geschichte „nach Aussage von Schülern und Lehrern vor allem in den neuen Ländern kaum im Unterricht behandelt“ wird (MZ vom 26.07.08). Hier wird zunehmend umgesetzt, was der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Tiefensee fordert: Den Jugendlichen „die Wahrheit über das Leben in der DDR zu erzählen. Über die schönen Erlebnisse, aber auch über das Leben hinter Mauer und Stacheldraht“ (ebd.).

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